Die Märchenerzähler der Stadt Wien

Es ging durch alle Medien, Anfang Februar sind im Schönauerwasser in der Unteren Lobau unzählige Fische verendet. Für Kenner der Lobau war von Anfang an klar, dass dafür der niedrige Wasserstand im Hauptgewässerzug der Unteren Lobau (Eberschüttwasser – Mittelwasser – Kühwörtherwasser – Schönauerwasser) im Zusammenspiel mit einer relativ langen Eisbedeckung verantwortlich ist.

Die Kombination aus Niedrigwasserstand und Eisbedeckung hat immer schon zu toten Fischen geführt, allerdings nur in den Nebenarmen die im Winter oft niedrige Pegel aufweisen. Jetzt sind wir aber schon so weit, dass der Hauptgewässerzug jeden Winter fast austrocknet.

Die Verantwortlichen der Stadt Wien, nämlich der MA 49, wussten zuerst nicht einmal, dass es ein Fischsterben überhaupt gab, kurz danach wurde von einer geheimnisvollen Vergiftung der Fische gemunkelt und ein Gutachten bei der Veterinärmedizinischen Universität in Auftrag gegeben. Anfang März lag das wenig überraschende Ergebnis vor, die Fische sind erstickt.

Die Stadt Wien ist natürlich nicht fähig und willens die Verantwortung für das Fischsterben zu übernehmen, welches nur auf den immer dramatischer werdenden Wassermangel in der Unteren Lobau zurückzuführen ist.

Bekanntlich verschleppt die Stadtverwaltung seit Jahrzehnten die notwendige Wiederanbindung der Unteren Lobau an die Donau, nicht einmal eine Dotation mit Wasser aus der Neuen Donau wird zugelassen.

Sehr originell war die Schuldzuweisung des stellvertretenden Leiters der MA 49, Günter Annerl: Die Eisläufer am Schönauerwasser hätten die Fische aus der Winterruhe aufgescheucht und seien so mitverantwortlich für deren Erstickungstod.

So einen Unsinn kann man nicht stehen lassen. Am Schönauerwasser waren vergleichsweise wenige Eisläufer unterwegs, das ließ sich leicht an den Spuren am Eis ablesen. Am Mühlwasser zwischen Lobelienweg und Binsenweg und auf der Alten Donau war ein Vielfaches an Eisläufern zugange. Und trotzdem sind dort keine Fische zu Tode gekommen. Es ist auch völlig klar warum, beide Gewässer sind wesentlich tiefer. Die Wasserschicht zwischen Grund und Eisdecke war daher viel mächtiger, somit ging den Fischen der zum Atmen notwendige Sauerstoff nicht aus.

Es ist unerträglich, die ständige Tatenlosigkeit der Stadt Wien mitanzusehen und sich schwachsinnige Erklärungen anhören zu müssen, wodurch nur von der eigenen Verantwortung abgelenkt wird. Konsequenzen werden selbstverständlich keine gezogen, sind ja nur ein paar Fische.

Foto: Kurt Kracher

Leave a Comment